Ein außergewöhnlicher Besuch in Sien

Bei der Abfahrt in Richtung Flughafen hatte sich unsere Delegation, bestehend aus Hella Kohlmeyer, Heidemarie Seider, Carsten de Vries, Branko Irek und Reimer Reimers sicher nicht vorgestellt, plötzlich inmitten eines Volksaufstandes zu stehen. Schien bis dahin die Ebola-Epidemie doch das größte Problem in einigen afrikanischen Ländern zu sein. Burkina Faso ist übrigens Ebola-frei.
Die Anreise gestaltete sich schwieriger als sonst. Wegen einer Präsidentenversammlung in der Hauptstadt Ouagadougou wurde der Flughafen kurzzeitig für den „normalen“ Flugverkehr gesperrt. Der Flieger setzte seinen Linienflug daraufhin ohne Landung nach Abidjan an die Elfenbeinküste (Republik Côte d’Ivoire) fort. Abidjan liegt ca. 850 km weiter Richtung Südwesten am Atlantik. Nach einem kurzen Aufenthalt in Abidjan ging es auf dem Rückflug endlich in die Hauptstadt Ouagadougou.
In Ouagadougou wurde zweimal übernachtet. Am Tag 2 wurde in der Bank Geld umgetauscht. Am dritten Tag ging es begleitet von 2 jungen Leuten unserer Freunde aus Ouagadougou via Mietwagen ins Dorf. Die ersten 250km sind gut ausgebaut und asphaltiert. Die letzten 50km sind im Moment selbst für Burkinische Verhältnisse in einem sehr schlechten Zustand. Die gerade zu Ende gegangene Regenzeit hat tiefe Spuren in der Piste hinterlassen. Am Nachmittag kamen schliesslich im Dorf an. Nach der Begrüssung wurden den Gästen die Quartiere zugewiesen und ein sorgfältig ausgearbeitetes Besuchsprogramm überreicht. Im Vorfeld war von der Reisegruppe der Wunsch geäußert worden, nicht von Termin zu Termin hetzen zu wollen. Und so gab es diesmal auch „nur“ zwei offizielle Termine am Tag.
Am Abend war noch Zeit, den Staudamm zu besuchen, bevor es dunkel wurde. Der Staudamm befindet sich in einem hervorragenden Zustand, wie Branko Irek bestätigen konnte. Branko (von Beruf Architekt) hatte 2010 persönlich die Sanierungsarbeiten beaufsichtigt und die Freunde aus Sien fachlich beraten. Jetzt direkt nach der Regenzeit ist das Regenrückhaltebecken gut gefüllt. Von der Staumauer aus kann man die Fische beobachten, welche eine wichtige Nahrungsquelle darstellen.

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Das Regenwasserrückhaltebecken ist am Ende der Regenzeit gut gefüllt.

Am darauffolgenden Tag wurde die Aids-Selbsthilfegruppe des Dorfes besucht, in der es ca. 30 Mitglieder gibt. Die Medikamente werden vom Land für die Erkrankten kostenlos zur Verfügung gestellt. Leider ist es so, das nicht immer ausreichend Medikamente vorhanden sind. Diese Versorgungslücken sind für die Betroffenen eine gefährliche Zeit. Aids lässt sich mit den entsprechenden Medikamenten gut behandeln. Die Lebenserwartung ist dadurch enorm gestiegen. Die Regierung beschränkt sich auf die Lieferung der Medikamente. Eine gesundheitliche Aufklärung findet statt, aber in diesem Bereich könnte noch viel mehr geschehen. Diese wird von den Selbsthilfegruppen in zum Teil in Eigenregie und auf eigene Kosten betrieben. Der Partnerschaftsverein plant eine Spendenaktion zu organisieren, um die Selbsthilfegruppe bei ihrer Aufklärungs- und Beratungstätigkeit zu unterstützen.

 
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Bei einem Besuch der Adesi-Jahreshauptversammlung wurden die offiziellen Gastgeschenke übergeben. Dazu gehörten 2 Sätze (40 Stück) blaue Fußballtrikots (mit den Wappen von Aukrug und Sien ), sowie 15 Kalender für 2015 mit Motiven des Dorfes , welche begeistert bestaunt wurden.
Zu einem anderen Anlass wurden noch zahlreiche persönliche Gastgeschenke verteilt, welche die Gruppe im Gepäck hatte.

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Wichtiger Bestandteil der Reise waren intensive Gespräche zu allen Themen. Unter anderem wurde über die Krankenstation gesprochen. Dem Vorstand wurden umfangreiche Bauunterlagen überreicht, welche Branko Irek jetzt prüfen wird. In den Unterlagen befanden sich auch die Angebote regionaler Baufirmen, welche die Krankenstation gerne bauen würden. Auch diese Angebote müssen zunächst geprüft werden. Für den Bau ist wieder ein hoher Anteil Eigenleistungen geplant. Es wurde von den Dorfbewohnern eine Liste angefertigt, in der steht, wer welche Leistungen zu erbringen hat. Gemeinsam wurde auch der Bauplatz in Augenschein genommen. Erste Baumaterialien wurden durch die Einwohner bereits bereitgestellt. Wenn alles glatt läuft mit der Beantragung von Fördermitteln (schätzungsweise 60-70 Prozent), soll der Bau 2015 beginnen. Als Bauzeit wurden 2 Jahre kalkuliert. Die Baukosten werden sich auf ca. 120000 Euro belaufen. Dazu kommt noch die Einrichtung der Räume mit Mobilar und medizinischem Gerät.

Nach dem Regenwasserrückhaltebecken und der Schulerweiterung ist die Geburts- und Krankenstation das dritte Großprojekt, welches vom Partnerschaftsverein unterstützt wird.
Die Stipendiaten, welche von Rotary Neumünster Vicelin gefördert werden, wurden der Reisegruppe bei einem Treffen persönlich vorgestellt. Waren es 2013 noch 7, so sind es 2014 schon 10 Schüler, denen ein Studium ermöglicht wird. Die Auswahl wird in Deutschland anhand der eingereichten Bewerbungen getroffen.

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Am Sonntag ging es nach Toma, um dort das „Fest der neuen Hirse“ zu besuchen.

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Nach dem Gottesdienst in der Kirche und dem Besuch des Marktes wurde das Stadion vom Toma besucht, wo Ringkämpfe ausgetragen werden. Teilnehmer aus allen Dörfern nahmen daran teil. Für Besucher ein beeindruckendes Erlebnis.

 
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Beim Kulturabend in Sien wurde ausgelassen getanzt und getrommelt.
Am Montag hies es bereits Abschied nehmen vom Dorf. Die Reise ging weiter nach Bobo-Dioulasso (zweitgrößte Stadt Burkina Fasos). Dort gab es ein Treffen mit Rotary Bobo-Dioulasso, um zu klären, wie die zurückgezahlten Gelder aus dem ausgelaufenen Mikrokreditprojekt weiter verwendet werden könnten und ob eine Förderung des Baus der Krankenstation möglich sei.

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Übernachtet wurde in der katholischen Mission. Im Laufe des Tages gab es erste Anzeichen für Unruhen in der Stadt in Verbindung mit einer geplanten Verfassungsänderung in Bezug auf die Präsidentenwahlen. Deshalb wurde die Rückreise nach Ouagadougou um einen Tag vorgezogen, da befürchtet wurde, dass man sonst wegen Straßenblockaden nicht mehr in die Hauptstadt gelangen könnte.Für den 30.10. war im Parlament eine Abstimmung über eine Verfassungsänderung geplant, mit der sich Präsident Blaise Compaoré nach 27 Jahren im Amt eine weitere Amtszeit sichern wollte. Die Proteste des Volkes schlugen in Gewalt um. Das Regierungsgebäude wurde gestürmt und angezündet.

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Der für Freitag geplante Rückflug wurde von Brüssel Airlines gestrichen. Am Samstag fuhr man zum Flughafen, um mit einem Ersatzflug über Casablanca auszufliegen. Leider wurde der Flughafen zwischenzeitlich geschlossen, so das auch diese Möglichkeit verwehrt blieb.Zusätzlich war eine Ausgangssperre verhängt worden.
Inzwischen gab es kein Internet mehr in der Hauptstadt, so dass versucht wurde über Freunde in Deutschland eine Umbuchung zu organisieren. Dies gelang auch zunächst. Es wurde auf einen Flug mit Air France umgebucht. Dabei ergab sich ein neues Problem, da die Tickets nicht umgeschrieben worden waren. Wieder wurde von Deutschland aus telefoniert. Nach längerer Diskussion wurden die Tickets schliesslich in Kapstadt (Südafrika!) umgeschrieben und elektronisch an Branko Irek geschickt. In der Mission wurden die neuen Tickets ausgedruckt.
Montag Mittag konnte man endlich über Lomé (Hauptstadt von Togo) nach Paris ausfliegen. Mit 3 Tagen Verspätung landete die Gruppe am Dienstag wohlbehalten in Hamburg. Abgesehen von den etwas holprigen Reisebedingungen war die Reise sehr erfolgreich.

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